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Bulletin 2/2026, «In Gefahr?»

Ausgabe vom 15. Juni 2026

In Gefahr?

Klimawandel, Bevölkerungswachstum, intensive Bautätigkeit, Übertourismus, Urbanisierung und Mobilität setzen unser materielles und immaterielles Kulturerbe unter Druck. Doch gerade dort, wo historische Bauten, archäologische Stätten, Kulturlandschaften oder lebendige Traditionen bedroht sind, entstehen oft besonders kreative und zukunftsweisende Ansätze, um sie nachhaltig zu schützen und weiterzuentwickeln. Mit der Frage «In Gefahr?» thematisieren die Europäischen Tage des Denkmals am 12. und 13. September 2026 die vielfältigen Bedrohungen, denen das Kulturerbe in der Schweiz ausgesetzt ist, und zeigen zugleich Wege zu dessen Erhalt auf.

Als Auftakt zeigt dieses Bulletin fünf Perspektiven auf das Thema. Es stellt das Kulturgüterschutzinventar des Bundes vor und geht der Frage nach, welche Kulturgüter bei Katastrophen und im Krieg vorrangig sein sollen. Wie gefährdetes Kulturgut vorübergehend in einem anderen Land Schutz findet, erläutert UNESCO-Mitarbeiterin Anna Sidorenko im Interview.

In der Schweiz erforscht ein interdisziplinäres Projekt die Folgen der Klimaerwärmung auf das baukulturelle Erbe und sucht nach neuen Instrumenten für den Erhalt. In Biel engagiert sich ein Komitee für die Umnutzung ehemaliger Industriebauten, die das Stadtbild prägen. Und wie komplex der Schutz des audiovisuellen Kulturerbes ist, zeigt ein schweizweites Inventarprojekt, das auch private Sammlungen aufspürt. Bild- und Tondokumente sind so fragil wie wertvoll für die Erinnerungskultur.

Maria Christoffel, Kampagnenleiterin Europäische Tage des Denkmals, und Daniel Bernet, Redaktor Bulletin Kulturerbe Schweiz

Schwerpunkt

Von der Kunst, Prioritäten zu setzen

Zur Revision des Schweizerischen Kulturgüterschutzinventars

Mit der nächsten Revision des Schweizerischen Kulturgüterschutzinventars geht eine Neuausrichtung einher, die über administrative Fragen hinausführt und eine zentrale Grundsatzfrage aufwirft: Welche Kulturgüter in der Schweiz sind im äussersten Notfall vorrangig?

« Nous voulons multiplier les refuges au niveau mondial »

Agir pour protéger les biens culturels en danger

Au sein de l’UNESCO, Anna Sidorenko s’engage pour déployer à grande échelle les refuges pouvant héberger des biens culturels menacés par des conflits armés. Si certains pays, à l’image de la Suisse, se sont déjà dotés de tels endroits, la pratique reste marginale en dépit d’un contexte géopolitique alarmant.

Mehr als heisse Luft

Wie der Klimawandel das baukulturelle Erbe bedroht

Der Klimawandel beschleunigt nachweislich Prozesse, die materielle Schäden an Denkmälern verursachen. In der Schweiz fehlen bislang systematische Untersuchungen zu den Wirkungsmechanismen ebenso wie konkrete Handlungsempfehlungen und Aktionspläne. Ein grossangelegtes Verbundprojekt setzt genau hier an.

Fabrikbauten wiederbeleben

Erhalt und Umnutzung des industriellen Erbes in der Stadt Biel

Abriss stoppen, umnutzen, weiterbauen – in Biel zeigt das Komitee «reUsine», wie sich die im Stadtbild verankerte Industriearchitektur bewahren lässt. Erste Erfolge nähren den weiteren Einsatz. Die Gefahr ist jedoch noch nicht gebannt.

Ein präziser Blick auf die audiovisuelle Schweiz

Inventarprojekt zeigt Herausforderungen für audiovisuelle Erinnerungskultur

Audiovisuelles Kulturerbe ist in vielfacher Hinsicht bedroht: Die fragile Materialität der Dokumente, aber auch die fehlende «Patrimonialisierung» und die unterschiedlichen Provenienzen können es gefährden. Mit einem Inventarprojekt analysiert Memoriav die Situation und erarbeitet Lösungen.