Bulletin 1/2025, «Architekturgeschichten»

Architekturgeschichten
Jede Treppe, jedes Haus, jeder Platz erzählt eine Geschichte über unseren Lebensraum und die Menschen, die ihn gestalten. Zum 50-jährigen Jubiläum des Denkmalschutzjahrs 1975 laden die Europäischen Tage des Denkmals am 13. und 14. September 2025 dazu ein, unser baukulturelles Erbe unter dem Titel «Architekturgeschichten» neu zu betrachten. Wie gehen wir mit unserem baukulturellen Erbe um? Wie schützen, entwickeln und pflegen wir es weiter?
Baukultur beginnt in der offenen Landschaft, umfasst das Gebaute, das Ungebaute und alles dazwischen. Sie prägt den Raum, in dem wir leben – von politischen Entscheidungen über Planungsprozesse bis hin zum Zusammenleben. Das Thema «Architekturgeschichten» schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, ruft zu einem bewussten Umgang mit unserem Erbe auf und bezieht auch Minderheiten und Randgruppen mit ein.
Dieses NIKE-Bulletin stellt das denkmalgeschützte Kinderheim Mümliswil aus der bisher weitgehend ignorierten Perspektive eines ehemaligen Heimkinds vor. Einen grossen Auftritt bekommt die oft übersehene Kleinarchitektur der Trafohäuschen. Ein kritischer Blick auf das aktuelle Baugeschehen macht deutlich, wie dringlich es ist, auf potenzielle Denkmäler hinzuweisen, ihre Andersartigkeit zu vermitteln und sich mit Nachdruck für ihre Erhaltung einzusetzen.
Dass sich Investitionen in Baukultur bezahlt machen, zeigt die Umnutzung des Kapuzinerklosters in Stans im Zeichen der alpinen Kochkunst. Die Nationale Informationsstelle zum Kulturerbe wählte das Culinarium Alpinum als Ort für die 37. und letzte Mitgliederversammlung unter dem Akronym NIKE. Der Verein mit seinen 45 Mitgliederorganisationen bekommt am 26. März 2025 den prägnanten und verständlichen Namen Netzwerk Kulturerbe Schweiz. Entsprechend geht das NIKE-Bulletin ab dieser Ausgabe als Bulletin Kulturerbe Schweiz in die Zukunft.
Maria Christoffel, Kampagnenleiterin Europäische Tage des Denkmals, und Daniel Bernet, Redaktor Bulletin Kulturerbe Schweiz
Schwerpunkt

«Das Kinderheim ist für mich mehr als nur ein Bauwerk»
Das einstige Kinderheim Mümliswil, entworfen vom Bauhaus-Architekten Hannes Meyer, steht heute unter Denkmalschutz. Über die vergessenen Emotionen und Erfahrungen der Heimkinder spricht Guido Fluri, der als Kind fremdplatziert wurde. Er hat die historische Aufarbeitung der sozialen Fürsorge vorangetrieben.

Trafohäuschen
Trafotürme stammen aus einer Zeit, in der die Elektrizität auf Masten in die Dörfer kam und in Gebäuden mit kleinem Grundriss heruntertransformiert wurde, um von dort aus in die Häuser verteilt zu werden. In der Blütezeit dieser Kleinarchitektur entstand eine Vielzahl von Formen und Materialisierungen.

Sept à un pour le monastère de Stans
Investir dans la culture du bâti est rentable – le monastère de Stans, reconverti en «Culinarium Alpinum», en est la plus belle preuve. Et ceci bien qu’un des huit critères de Davos n’ait été respecté que partiellement.

Baukultur im Realitätscheck
Im Bauwesen nimmt die Komplexität weiter zu. Die Abhängigkeit von vorfabrizierten Bauteilen betrifft auch den Umgang mit bestehenden Gebäuden. Müssen deshalb auch Baudenkmäler auf Neubaustandard getrimmt werden? Und welche Auswirkungen haben ökologisch nachhaltige Baustrategien auf unsere Baukultur?