Bulletin 3/2021, «Denkmalpflege – uncool und ungeliebt?»

Von Winnetou, Chinesen und Negern
«Das Wandbild muss weg», entschied die Kommission für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Bern. So heisst das Siegerprojekt einer Ausschreibung zum Umgang mit einer nun unerwünschten Wandmalerei von 1949 von Eugen Jordi (1894 – 1983) und Emil Zbinden (1908 – 1991) im Primarschulhaus Wylergut. Es stellt ein Alphabet dar; A für Affe, C für Chinese, I für Indianer und N für Neger. Von meiner vierjährigen Primarzeit erinnere ich mich nur an das I. Das verband ich mit Winnetou, der in den 70ern über die Leinwand des Lorrainekinos ritt. Der Chinese und der Neger interessierten mich nicht; in meiner Welt gab es keine Berührungspunkte zu ihnen. Nun sind diese drei Buchstaben schwarz abgedeckt.
Die Kommission folgte der Argumentation des siegreichen Projektteams, dass eine Primarschule «kein geeigneter Ort für das Wandbild» sei; hier entziehe es sich der dringenden, gesamtgesellschaftlich zu führenden Debatte über den Umgang mit dem kolonialen Erbe. Deshalb soll es nun in einem Museum parkiert werden, nach einem partizipativ geführten «Verlernprozess» vor Ort. Ich finde das schade. Eine Auseinandersetzung vor Ort, altersgerecht in den Unterricht eingebaut, hätte ich für die Kinder – und ihre Eltern – spannender gefunden. Vor allem in unserer multikulturellen Gesellschaft. Was meinen Sie? Schreiben Sie uns: info@nike-kulturerbe.ch. Die drei originellsten Vorschläge werden mit einer Packung Mohrenköpfe honoriert.
Mila Trombitas, Co-Geschäftsführerin NIKE